Schamaran

Kultur und Wissenschaft, Neue Medien

Fatma Aydemir ist die kurdische Stimme in der deutschen Romanwelt


Fatma Aydemir ist eine Schriftstellerin kurdischer Herkunft, die in Deutschland lebt.

Sie debütierte mit dem Roman [Ellbogen] und etablierte sich mit dem Roman [Dschinns] als eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Literaturszene. Nachdem sie für beide Romane mehrere Auszeichnungen erhalten hatte, schaffte es ihr Roman [Dschinns] im vergangenen Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Beide Romane wurden auch für die Bühne adaptiert; ihr erster Roman wurde zudem verfilmt.

Der Roman [Dschinns] erzählt die Geschichte einer kurdischen Familie, die in den 1970er Jahren aus einem Dorf in Nordkurdistan nach Deutschland ausgewandert ist. Nach vielen Jahren harter Arbeit in Deutschland beschließt der Vater, Hüseyin, in die Türkei zurückzukehren, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen und ein Haus in Istanbul zu kaufen, aber kaum betritt er das Haus, erleidet er einen Schlaganfall und stirbt.

Jeder Abschnitt des Romans ist einem der sechs Familienmitglieder gewidmet: Hüseyin (der Vater), Umut, Hakan, Sevda, Peri und Emine (die Mutter). Jede Figur kämpft mit ihren eigenen spezifischen Problemen, die alle mit dem übergreifenden Konflikt verbunden sind: ihrem Kurdischsein und ihrer Identität.

Als die Kinder zur Beerdigung ihres Vaters nach Istanbul zurückkehren, sind sie schockiert, als sie feststellen, dass ihre Mutter Kurdisch sprechen kann. Erst dort erkennen sie ihre kurdische Herkunft. Hüseyin hatte in seiner Jugend in der türkischen Armee gedient, wo ihm eingetrichtert wurde, dass es so etwas wie Kurden und die kurdische Sprache nicht gäbe. Aus diesem Grund sprach er in Deutschland nie Kurdisch und verbot es seiner Frau ebenfalls. Hüseyins Denken ist geprägt von der türkischen Staatsideologie, die Kurden als Terroristen, rückständig und barbarisch darstellt.

Fatma Aydemir thematisiert in ihrem Roman einerseits die Assimilierung der Kurden unter der Gewalt und Repression des türkischen Staates [sie erwähnt sehr deutlich die Inhaftierung von Leyla Zana und Abdullah Öcalan sowie die staatlichen Massaker während kurdischer Aufstände]. Andererseits beleuchtet sie die Entfremdung derselben Familie in der Diaspora und deren Zerrissenheit aufgrund des Verlusts ihrer kulturellen Identität. Die Romane von Fatma Aydemir sind daher zu einer wichtigen Stimme für die Kurden in der zeitgenössischen deutschen Romanliteratur geworden.


Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert